Cornelia Lüdorff: All das Schöne

«All das Schöne», von Ducan Macmillan, vorgetragen von Kornelia Lüdorff, zog 20 Pantherinnen in seinen Bann. Wie begegnet man dem Tod? Durch Aufzählen all des Schönen in seinem Leben.

Bericht und Foto von Züsi Widmer

Offengestanden!
Die Lesung von Kornelia Lüdorff am Freitagabend, 16. Februar, hat mich, wenngleich ich sie schon einmal gehört hatte (und sie deshalb für die Lesung auswählte), dermassen in ihren Bann gezogen, dass ich völlig vergass, Fotos zu machen.

«All das Schöne», ein Theaterstück von Ducan Macmilian (Britischer, preisgekrönter Autor und Theaterregisseur, geb. 1980) ist ein berührender, trauriger und zugleich hinreissender Monolog darüber, wofür es sich zu leben lohnt.

Kornelia liest in der Ich – Form.                                                                 
Zum Beispiel wie das Kind (Kornelia) mit dem Sockenhasen der Therapeutin  (Hanna) spricht, oder wie sie sich mit dem zukünftigen Gatten Martin (Heidi) über Literatur austauscht. Richtig, es waren ausschliesslich Frauen anwesend. 20 Frauen und die Männer glänzten mit Abwesenheit…

Als das Kind noch klein war, versucht sich seine Mutter zum ersten Mal das Leben zu nehmen. Das Kind will, auf seine Art, der Mutter helfen und beginnt, eine Liste zu schreiben, mit Dingen, die für sie in ihrem Leben grossartig sind:

1. Eiscreme
2. länger aufbleiben und
3. Fernsehen dürfen
4. Wasserschlachten
5. die Farbe Blau
Für das Kind ist es zugleich eine Trauerbewältigung, denn ausser mit dem Tod seiner Katze war es noch nie mit dem Tod konfrontiert worden.

Es werden, mit uns Pantherinnen, immer wieder kleine Szenen ad hoc aufgeführt, so eben auch (eine zusammengeknüllte Jacke ist auf den Armen des Kindes die Katze), wie es zum Tierarzt geht und die Katze mit einer Spritze eingeschläfert wird.

6. Kleider mit Streifen
7. Achterbahn
8. In den See pinkeln, wenn es niemand merkt.

Dass die Mutter die Liste offenbar angeschaut hat, erkennt das Kind nur an den korrigierten Schreibfehlern.

Die Liste wächst auf 100, auf 200 und immer weiter

Später, mit ihrem Freund und zukünftigen Mann wird die Liste immer länger und nach vielen Jahren zum Dokument ihres Lebens.
Sie durfte nicht mogeln, d. h. nicht zweimal dasselbe, und möglichst wenig materielle, aber für sie grossartige Dinge aufzählen.
Im Studium verliebt sie sich:
517. mit jemandem vertraut sein
518. das Gefühl von Ruhe und Erkenntnis

Es gibt so vieles, was uns direkt und persönlich angesprochen hat in diesem lebensbejahenden, wundervoll lebendig vorgetragenen Monolog, unsentimental und dennoch enorm zu Herzen gehend.

Auf einmal öffnet sich die Türe und eine Bewohnerin des Domicils setzt sich zu uns. Sie hört gespannt zu, irgendwann beginnt sie zu weinen. Eine Pantherin geht zu ihr, sie kennen sich. Der Vater der Heimbewohnerin hatte sich das Leben genommen, es hat sie aufgewühlt…
Und nicht nur sie!

PS. Wer Kornelia Lüdorff auf der Bühne sehen möchte, hat  ab Samstag 23.03.2024 in «Der vergessene Prozess» von Gornaya im Effingertheater Gelegenheit dazu.

PS: wer Cornelia Lüdorff nochmals Life erleben möchte, kann das im Theater an der Effingerstrasse zwischen 23.März bis 20. April, anlässlich der Uraufführung «der vergessene Prozess» tun.
Hier der Link zu mehr Information: https://www.theatereffinger.ch/premieren/der-vergessene-prozess

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